Marc Schütze
Marc arbeitet in der Museumstechnik am ZKM Karlsruhe. Sein Job ist Medienkunst am Laufen zu halten — Projektoren, Sensoren, alte Rechner, neue Kunstwerke, und alles dazwischen. Wenn es dafür keine fertige Software gibt, schreibt er sie selbst.
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Im selben Gebäude, in dem die GPN stattfindet, war 2025 die Ausstellung “Choose Your Filter!” zu sehen. Gezeigt wurden künstlerische Webbrowser aus drei Jahrzehnten, also Software, die selbst Kunstwerk und Anzeigeumgebung in einem ist. Der Ausstellung ging ein mehrjähriges Forschungsprojekt am KIT voraus, in dem solche Browser als eigenständige künstlerische Form untersucht wurden. Sie sind als Remix-Programme interpretierbar, sie situieren Nutzer*innen und formen mit, wie das Web durch sie hindurch wahrgenommen wird. Browser bestimmen, was sichtbar wird, in welcher Geschwindigkeit, Reihenfolge und Hierarchie. Damit sind sie Filter im wörtlichen Sinn, und Gegenstand sozio-politischer, ökonomischer und kultureller Fragen.
Wenn solche softwarebasierten Werke überhaupt in den Blick genommen werden, beschränkt sich die Auseinandersetzung im akademischen Rahmen üblicherweise auf ihre Dokumentation, Beschreibung und Kontextualisierung der Arbeiten. Eine Ausstellung, die den Anspruch hegt, nicht (nur) Relikte zu zeigen, verlangt mehr: Dort sollen die Arbeiten wieder live erfahrbar sein, also tatsächlich laufen, in einem Raum, vor Publikum, über Monate hinweg — ohne Wartung im laufenden Betrieb und ohne technisches Personal, das im Zweifel eingreift. Damit verschiebt sich die Aufgabe grundsätzlich hin zu Reparatur und robuste Stabilisierung. Werke, die für eine bestimmte historische Konfiguration aus Browser, Plugin, Betriebssystem und Serverlandschaft geschrieben wurden, müssen in einer Gegenwart funktionieren, in der diese Konfiguration nicht mehr existiert, und sie müssen es selbständig tun: Crashes überstehen, Zustände zurücksetzen, mit unterschiedlichsten Besucher*inneninteraktion umgehen, fehlende Server kompensieren — alles ohne Hand am Gerät. Was im Forschungsprojekt eine Frage des Verstehens war, wird im Ausstellungsbetrieb eine Frage der Rekonstruktion und der autonomen Lauffähigkeit — konzeptuell, technisch und konservatorisch zugleich.
Der Vortrag berichtet aus erster Hand davon, wie aus einem Forschungsvorhaben eine Ausstellung wurde: welche Entscheidungen kuratorisch fallen mussten, wie einzelne Werke wieder zum Laufen gebracht wurden, und welche Infrastruktur dabei entstanden ist, um Netzkunst aus mehreren Jahrzehnten parallel und stabil zu betreiben. Wir sprechen aus zwei Perspektiven — kunsthistorisch und museumstechnisch — über dasselbe Problem: was es heißt, Software, die selbst Kunstwerk ist, nicht nur zu beschreiben, sondern zu zeigen.
Ein Medienkunstmuseum besteht nicht aus Bildern an der Wand, sondern aus Projektoren, Rechnern, Sensoren, Servomotoren, Druckluft, Hochspannung und gelegentlich einer VM mit Windows XP. Vieles davon läuft 24/7 — never touch a running system. Anderes muss jeden Morgen pünktlich hochfahren und abends wieder runter. Wir erzählen, wie wir am ZKM den Alltag eines solchen Hauses am Laufen halten — und warum dabei über die Jahre eine ganze Werkstatt voll eigener Software entstanden ist.
